Bis zu 23 Prozent Preisunterschied zwischen den besten und schlechtesten Energieklassen – das zeigen aktuelle Marktdaten. Was die Energieklasse für den Verkaufspreis bedeutet und wie Makler das nutzen können.
Die Energieeffizienzklasse einer Immobilie ist längst mehr als eine Pflichtangabe im Exposé. Sie ist ein handfester Preisfaktor. Aktuelle Marktdaten zeigen: Immobilien mit den besten Energieklassen erzielen bis zu 23 Prozent höhere Preise als vergleichbare Objekte mit mittlerem Energiestandard. Bei Eigentumswohnungen können das schnell 650 Euro pro Quadratmeter Unterschied sein.
Für Makler ist das doppelt relevant: Erstens für die realistische Preisfindung, zweitens für die Vermarktungsstrategie. Dieser Artikel zeigt, wie groß die Preisunterschiede sind – belegt durch aktuelle Studien und Marktdaten.
Die Energieklassen im Überblick
Die aktuelle Energieeffizienzskala in Deutschland reicht von A+ (bestmöglich) bis H (schlechteste Klasse). Sie wird auf dem Energieausweis als Farbskala dargestellt – von Dunkelgrün (A+) über Gelb und Orange bis Dunkelrot (H). Ab der Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie 2026 wird die Skala voraussichtlich auf A bis G umgestellt.
| Energieklasse | Endenergie kWh/(m²·a) | Typische Gebäude | Bewertung |
|---|---|---|---|
| A+ | < 30 | Passivhaus, KfW-Effizienzhaus 40 | Hervorragend |
| A | 30–49 | KfW-Effizienzhaus 55, Neubau ab 2016 | Sehr gut |
| B | 50–74 | Gut sanierter Altbau, Neubau bis 2016 | Gut |
| C | 75–99 | Durchschnittlicher Neubau, teilsaniert | Befriedigend |
| D | 100–129 | Teilsanierter Altbau | Ausreichend |
| E | 130–159 | Älterer Altbau, wenig saniert | Mangelhaft |
| F | 160–199 | Unsanierter Altbau (1960er–1970er) | Schlecht |
| G | 200–249 | Unsanierter Altbau (vor 1960) | Sehr schlecht |
| H | > 250 | Komplett unsaniert, schlechte Bausubstanz | Ungenügend |
Preisunterschiede nach Energieklasse: Die Zahlen
Eine aktuelle Analyse von immowelt (2025) zeigt deutliche Preisunterschiede je nach Energieklasse. Besonders effiziente Immobilien der Klassen A+ bis B erzielen im Deutschlandmittel rund 16 Prozent höhere Verkaufspreise als Objekte der schlechtesten Klasse H. In einzelnen Regionen liegt der Aufschlag sogar bei bis zu 23 Prozent.
| Energieklasse | Preisunterschied (Häuser) | Preisunterschied (Wohnungen) | Preistendenz |
|---|---|---|---|
| A+ bis B | +16 bis +23 % | +10 bis +16 % | Stark über Marktdurchschnitt |
| C | +8 bis +12 % | +5 bis +8 % | Über Marktdurchschnitt |
| D (Referenz) | Marktdurchschnitt | Marktdurchschnitt | Neutral |
| E | −3 bis −5 % | −1 bis −3 % | Leicht unter Durchschnitt |
| F | −5 bis −8 % | −2 bis −4 % | Unter Durchschnitt |
| G | −7 bis −10 % | −3 bis −5 % | Deutlich unter Durchschnitt |
| H | −8 bis −12 % | −4 bis −6 % | Stark unter Durchschnitt |
Auffällig: Bei Häusern wirkt sich die Energieklasse deutlich stärker auf den Preis aus als bei Eigentumswohnungen. Während bei Einfamilienhäusern pro Klasse ein Preisunterschied von 7 bis 8 Prozent beobachtet wird, sind es bei Wohnungen nur rund 4 Prozent pro Klasse. Der Grund: Bei Wohnungen liegen Sanierungsentscheidungen bei der Eigentümergemeinschaft, nicht beim einzelnen Käufer.
📊Rechenbeispiel: Was die Energieklasse wert ist
Warum die Preisdifferenz weiter wächst
Mehrere Faktoren treiben den Preisunterschied zwischen guten und schlechten Energieklassen:
- Steigende Energiepreise: Höhere Heizkosten bei schlechter Energieklasse reduzieren die Attraktivität und damit den Preis
- GEG und Heizungsgesetz: Käufer kalkulieren die Kosten eines zukünftigen Heizungstauschs (15.000–35.000 €) und von Sanierungen ein
- Bankenfinanzierung: Einige Banken bieten günstigere Konditionen für energieeffiziente Immobilien – oder bewerten ineffiziente Objekte niedriger
- EU-Gebäuderichtlinie: Die Erwartung künftiger Sanierungspflichten (Minimum Energy Performance Standards) drückt auf die Preise ineffizienter Gebäude
- Käuferverhalten: Jüngere Käufer achten deutlich stärker auf Energieeffizienz als ältere Generationen
Marktdaten bestätigen den Trend: Immobilien mit den besten Energieklassen A+ bis C erholten sich nach dem Zinsanstieg 2022/2023 deutlich schneller als ineffiziente Objekte. Während die Angebotspreise effizienter Immobilien aktuell nur 5,5 Prozent unter dem Boom-Niveau liegen, sind es bei Klassen F bis H ganze 9,3 Prozent.
Sanierter Altbau: Doppelt profitieren
Besonders interessant ist die Preisdynamik bei sanierten Altbauten. Laut einer Analyse erzielen sanierte Wohnungen in Gebäuden mit hoher Energieeffizienz im Schnitt 650 Euro pro Quadratmeter mehr als vergleichbare Objekte mit niedriger Energieeffizienz. Bei einer 80-m²-Wohnung sind das 52.000 Euro.
Das ist ein starkes Argument für Eigentümer, die vor einem Verkauf stehen: Eine energetische Sanierung kann sich rechnen – nicht nur durch geringere Heizkosten, sondern direkt durch einen höheren Verkaufspreis.
💡Praxis-Tipp für Makler: Sanierung vor Verkauf?
Regionale Unterschiede beachten
Die Preisauswirkung der Energieklasse variiert regional erheblich. In Ballungsräumen mit hoher Nachfrage (München, Hamburg, Frankfurt) spielen andere Faktoren wie Lage und Ausstattung eine größere Rolle – der Energieklassen-Effekt ist dort geringer. In ländlichen Regionen mit geringerer Nachfrage kann die Energieklasse dagegen über Verkauf oder Ladenhüter entscheiden.
Auch in Norddeutschland, wo enerprio® hauptsächlich aktiv ist, beobachten wir deutliche Unterschiede: In Städten wie Bremen, Hamburg und Hannover liegt der Preisaufschlag für gute Energieklassen eher bei 10 bis 15 Prozent. In ländlichen Gebieten Niedersachsens, Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns kann er höher ausfallen, da dort der Gebäudebestand im Schnitt älter ist und der energetische Zustand stärker ins Gewicht fällt.
Wie Makler die Energieklasse im Verkaufsprozess nutzen
- Bei guter Energieklasse (A+ bis C): Im Exposé prominent hervorheben, niedrige Heizkosten betonen, als Verkaufsargument nutzen
- Bei mittlerer Energieklasse (D bis E): Sachlich darstellen, auf Modernisierungspotenzial und Fördermöglichkeiten hinweisen
- Bei schlechter Energieklasse (F bis H): Transparent kommunizieren, Sanierungskosten realistisch einschätzen, Förderungen aufzeigen, eventuell Sanierung vor Verkauf empfehlen
- In der Preisverhandlung: Die Energieklasse als objektives Argument nutzen – sowohl als Aufschlag bei guten als auch als Erklärung bei niedrigeren Preisen
- Im Erstgespräch mit dem Eigentümer: Den Zusammenhang zwischen Energieklasse und Verkaufspreis erklären – das zeigt Kompetenz und schafft Vertrauen
Was bringt die Zukunft? Minimum Energy Performance Standards
Die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) sieht langfristig sogenannte Minimum Energy Performance Standards (MEPS) vor. Das bedeutet: Gebäude müssen bis zu bestimmten Stichtagen einen Mindeststandard an Energieeffizienz erreichen. Für Nichtwohngebäude sollen die energetisch schlechtesten 16 % bis 2030 saniert werden, für Wohngebäude bis 2033.
Die genaue Umsetzung in deutsches Recht steht noch aus. Doch die Richtung ist klar: Energetisch schlechte Gebäude werden zunehmend unter Druck geraten. Das wird die Preisdifferenz zwischen guten und schlechten Energieklassen weiter vergrößern.
📉Stranded Assets: Wenn Gebäude unverkäuflich werden
Fazit: Die Energieklasse ist ein Preisfaktor – nutzen Sie das
Die Daten sind eindeutig: Die Energieklasse hat einen messbaren Einfluss auf den Verkaufspreis. Bis zu 23 Prozent Unterschied bei Häusern, bis zu 16 Prozent bei Wohnungen. Diese Differenz wird durch steigende Energiepreise, strengere Gesetze und verändertes Käuferverhalten weiter wachsen.
Für Makler bedeutet das: Die Energieklasse muss fester Bestandteil der Wertermittlung und Vermarktungsstrategie sein. Wer hier kompetent berät – ob es um die realistische Preiseinschätzung, die Vermarktung oder die Empfehlung einer Sanierung vor Verkauf geht – hebt sich vom Wettbewerb ab. Und genau das erwarten informierte Verkäufer und Käufer im Jahr 2026.
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